1957 Interbau

Die Ausstellung Interbau 1957 in Berlin (IBA 57) stand ganz im Zeichen des Kalten Krieges: Der zentrale Ausstellungsbereich – die Neubebauung des Hansaviertels in West-Berlin – entstand als direkte Antwort auf die zur gleichen Zeit in sowjetischer Monumentalarchitektur gebaute Stalinallee in Ost-Berlin. Beide Großprojekte sollten die Leistungsfähigkeit des jeweiligen Gesellschaftssystems demonstrieren.

So atmet das Hansaviertel durch und durch den Geist der westlichen Nachkriegsmoderne: Die Planer entwarfen eine lockere Mischung aus Hoch- und Flachbauten, eine gegliederte und aufgelockerte Stadt mit viel Grün, in der Wohnen, Arbeiten, Freizeit und Verkehr räumlich strikt getrennt wurden. 53 Architekten aus 13 Ländern lud der Berliner Senat zu einem Wettbewerb ein, darunter Alvar Aalto, Egon Eiermann, Walter Gropius und Oscar Niemeyer – allesamt Verfechter des Neuen Bauens. Nach ihren Entwürfen entstanden 35 Gebäude mit insgesamt 1.160 Wohnungen.

Auch wenn viele Ideen dieser „Stadt von Morgen“ heute als überholt gelten, ist das Hansaviertel ein viel beachtetes Beispiel für Architektur und Stadtplanung der 1950er-Jahre. Zudem lieferte die IBA 57 später oft genutzte Anregungen für Grundrisse, Konstruktion und Gestaltung im öffentlich geförderten Wohnungsbau.