IBA-Forum "Wirtschaft"
12. Juli

"Die größte gewerbliche Fläche ist der Bestand"

Wie wohnen und arbeiten wir in der Zukunft? Wie muss die Stadtplanung vorgehen, um vor dem Hintergrund der Flächenknappheit flexiblen Modellen von Arbeits- und Freizeit und vielfältigen Lebensentwürfen Rechnung zu tragen? Wie wird und bleibt eine Stadt attraktiv für die kreative Klasse? Diesen Fragen stellten sich beim Forum „Wirtschaft“ drei Referenten und etwa 70 Teilnehmer.

„Wir sind mittendrin im digitalen Wandel. Es gilt zu untersuchen, welche Auswirkungen dieser Wandel haben wird, und gleichzeitig Maßnahmen zu ergreifen, die die Krisenfestigkeit unserer Region vorbeugend erhöhen“, stellte der Geschäftsführer der regionalen Wirtschaftsförderung, Dr. Walter Rogg, in seiner Begrüßungsrede den für ihn zentralen Aspekt in den Mittelpunkt.

Mit dem Leitbild Produktive Stadt für die künftige Stadt- und Regionalplanung beschäftigte sich das erste Impulsreferat. Frank Gwildis vom Amt für Stadtplanung und Stadterneuerung der Landeshauptstadt Stuttgart und Stefan Werrer, Freier Architekt und Stadtplaner, verstehen darunter eine Stadt oder Region, die mit nachhaltiger Flächenentwicklung, zukunftsorientierter Produktion und neuen Produktionsformen zur Entfaltung der Wissensökonomie beiträgt. Als Raum für Kreative und Macher zieht sie Menschen und Unternehmen aus aller Welt an.

Die Perspektiven von Industrie und Gewerbe angesichts knapper Flächen stellte Prof. Dr. Alfred Ruther-Mehlis vom Institut für Stadt- und Regionalentwicklung an der Hochschule Nürtingen-Geislingen in den Mittelpunkt. Seine drei Thesen „Die größte gewerbliche Fläche ist der Bestand“, „Gewerbegebiete sollten nicht ganz aufgesiedelt werden“ und „Mehr statt weniger Planung“ gipfelten in dem Fazit: Nur Gewerbegebiete mit Reserveflächen lassen Mischgebiete neuen Typs durch Nachverdichtung entstehen.

Dies wurde in der anschließenden Arbeitsgruppe intensiv unter vielen Aspekten diskutiert. Als mögliche Instrumente wurden etwa neue Eigentumsformen bei Gewerbegebieten und Modelle zur interkommunalen Kooperation ins Gespräch gebracht.

Laut Dr. Stefan Rief vom Fraunhofer IAO in Stuttgart wird die urbane Arbeitswelt im Jahr 2027 komplex, schnell und künstlich intelligent sein. Alle Branchen werden massiv von der Digitalisierung betroffen sein, selbst wissensbasierte Tätigkeiten werden von Robotern übernommen; gleichzeitig agieren die Menschen autonomer, flexibler und kreativer. Arbeiten und Wohnen rücken räumlich näher zusammen.

Die anschließende Diskussionsrunde beschäftigte sich kontrovers mit der Frage, ob Wissensarbeitsplätze eine industrielle Basis benötigen oder nicht. Diskutiert wurde auch, wie Architektur und Stadtplanung den genannten Entwicklungen Rechnung tragen und sie befördern können.

Ideen für IBA-Themen aus dem Forum "Wirtschaft" (Auswahl)

  • Gestaltung von Gebäuden, um neue Arbeitsformen zu ermöglichen
  • Angesichts der Flächenknappheit wieder industrielle Produktion auf mehreren Etagen planen
  • Mehr Immobilien und Freiräume für Kreative und Start-ups schaffen
  • Mischgebiete neuen Typs durch Nachverdichtung schaffen
  • Modelle für langfristige Pacht anstatt Eigentum an Gewerbeflächen entwickeln
  • Temporäres Aussetzen der Baunutzungsverordnung ausprobieren, um gemischte Quartiere zu stimulieren
  • Modelle für interkommunale Kooperation bei Logistikflächen entwickeln
  • Kleinteilige nutzungsgemischte Quartiere für Wohnen, Handwerk, Gewerbe schaffen

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